Wind um Nichts - http://wind.penzeng.de
Christen sind um Ausreden
nicht verlegen, wenn sie Gottes Glaubwürdigkeit gegen Kritik verteidigen
müssen, weil er biblische Verheißungen offensichtlich nicht eingehalten hat; weil
er z. B. Gebete nicht erhört, nicht beschützt, kein Gelingen geschenkt
oder nicht geheilt hat. Für all das findet sich nachträglich immer ein guter
Grund, z.B:
a)
Du hast nicht
genug geglaubt, hast Gott nicht zu 100% vertraut, hast in deinem Herzen
gezweifelt. Darum konnte er für dich nichts tun.
b)
Du hast nicht
genug gebetet.
c)
Du hast nicht
richtig gebetet.
d)
Da ist noch Sünde
in deinem Leben, darum konnte Gott an dir nicht wirken.
e)
Du hast dieses
und jene Gebot oder biblische Prinzip nicht eingehalten.
f)
Du hast dein Leben
noch nicht wirklich zu 100% Jesus ausgeliefert.
g)
Du bist zwar im
Großen und Ganzen Gott treu, aber hier und da hast du eigenmächtige
Entscheidungen getroffen, die nicht nach Gottes Willen waren. Darum haben sich
die Dinge jetzt so ungünstig entwickelt. Hättest du besser auf Gottes Stimme
gehört, dann wäre dir dieses Unglück erspart geblieben.
h)
Finstere Mächte,
Dämonen oder Satan hatten ihre Finger im Spiel, darum konnte Gott mit seinem
Wirken nicht durchdringen.
i)
Du bist zu
ungeduldig. Gott will deinen Glauben prüfen und dich Geduld lehren. Bleib
standhaft und treu und zweifle nicht, dann wird er bald alles zum Guten wenden.
j)
Gott sieht dich
und liebt dich und hat einen guten Weg für dich vorbereitet, auch wenn du das
jetzt noch nicht so sehen kannst. Vertraue ihm einfach und überlass es Ihm.
k)
Gott ist treu,
aber die Erwartungen, die du an ihn gerichtet hast, waren falsch. Selbst wenn
es Bibelstellen gibt, die scheinbar deine Erwartung stützen, so hast du diese
Bibelstellen falsch verstanden.
l)
Menschen haben
dich zu einer Irrlehre verführt, dir ein falsches Gottesbild vermittelt und
falsche Erwartungen in dir geweckt. Vertraue lieber uns; in unserer Gruppe wird
das wahre Evangelium gelehrt! Bei uns wirst du nicht enttäuscht.
Jeder einzelne dieser Gründe
mag im Einzelfall manchmal zutreffen; insgesamt jedoch hat sich in mir der
Verdacht erhärtet, dass alle diese Erklärungen nur von der schlichten Tatsache
ablenken, dass Gottes Verheißungen sich IN ALLER REGEL nicht erfüllen! Denn
sowohl bei mir selbst als auch bei anderen Christen habe ich erlebt, dass sie sich
IN ALLER REGEL nicht erfüllen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Darum nenne ich
diese Erklärungen "Ausreden", denn wenn man als gewissenhafter Christ
versucht, all diese "Hindernisse" aus dem Weg zu räumen, die
angeblich dem Wirken Gottes entgegenstehen, so ist man damit unendlich
beschäftigt und kommt nie zu Ende. Man kommt also praktisch nie in den Genuss
der verheißenen Fülle. Es gibt vermutlich auf der ganzen Welt keinen einzigen
Christen, der alle Hindernisse ausgeräumt hat und in der verheißenen göttlichen
Fülle, im Sieg und Überfluss lebt. Alle sind angeblich "noch auf dem
Weg" oder stehen "kurz vor dem Durchbruch". Aber wirklich
geschafft hat's noch keiner; es geht nicht.
Im übrigen
haben die Verteidiger Gottes ja noch folgende "Joker" im Ärmel, die
insofern unschlagbar sind, als dass sie erst gar keinen Lösungsweg, gar keine
Verbesserungsmöglichkeit andeuten, sondern dem Suchenden nahelegen, sich mit
dem status quo zu arrangieren:
m)
Wir sind noch
nicht im Himmel. Hier in dieser gottlosen Welt gelten Gottes Verheißungen nur
eingeschränkt. Erst nach dem Tod werden wir die Fülle des Heils genießen.
n)
Gott erhört
unsere Gebete manchmal anders als wir es erwarten (das heißt, er tut etwas
anderes anstelle dessen, worum wir ihn gebeten haben). Er weiß am besten, was
gut für uns ist.
o)
Gottes Wege sind
höher als unsere Wege, und seine Gedanken sind höher als unsere Gedanken. Du
kannst Gott nicht vorschreiben, was er zu tun hat. Wir können sein Wirken
manchmal nicht begreifen. Wir können es nur staunend, anbetend und dankbar aus
seiner Hand annehmen, auch wenn’s schwer fällt.
p)
Gott löst unsere
Probleme manchmal nicht, aber er hilft uns, sie geduldig anzunehmen und zu
tragen. Gerade in solchen Momenten ist er uns besonders nahe.
q)
Wie kannst du es
wagen, Gott zu kritisieren? Das ist frech, undankbar und vermessen! Gott ist vollkommen
und gerecht; er muss sich für sein Handeln nicht rechtfertigen. Du aber bist
durch und durch sündig und verdorben; du solltest froh und dankbar sein, dass
er dich überhaupt aus Gnade angenommen hat!
Es scheint so, als ob dieses
ganze christliche Glaubenssystem gar nicht darauf angelegt ist, zu
funktionieren, sondern immer wieder plausibel klingende Erklärungen für sein
Nichtfunktionieren zu liefern. In der Evangelisation
wird jedoch ungebrochen der Eindruck vermittelt, Gott würde regelmäßig Gebete
erhören, helfen, heilen, befreien, retten, Gelingen schenken – obwohl dies in
Ernstfällen eher die Ausnahme als die Regel ist. Das finde ich schon ein wenig
unseriös.