Wind um Nichts - http://wind.penzeng.de
Aus dem Englischen übersetzt.
Originaltitel: Metaphysical User Interface
Autor: James Huber
Quelle: http://www.jhuger.com
Stell dir vor, das Universum ist
ein großer Computer, und wir sind alle Computerfreaks.
Theisten
verwenden eine grafische Benutzeroberfläche wie Windows oder MacOS. Die ist
einfach zu bedienen, intuitiv und für die meisten Zwecke tauglich. Sie
verbraucht allerdings sehr viele Ressourcen; man kann damit schlecht das
Maximum aus seinem System herauszuholen.
Weil Theisten eine grafische
Benutzeroberfläche verwenden, haben sie wenig Ahnung davon, wie die Dinge sich
wirklich verhalten. Dadurch geraten sie leicht in Verwirrung. Die meisten sagen
zum Beispiel, dass die Schaltflächen am Bildschirm real sind. Sie wissen aber,
dass sie nicht in der gleichen Weise real sind wie die Tasten auf der Tastatur;
darum klicken sie stets mit der Maus darauf. Andere behaupten dagegen steif und
fest, die Schaltflächen auf dem Bildschirm seien wirkliche, physikalische
Knöpfe. Sie versuchen immer wieder, mit ihren Fingern darauf zu drücken und
wundern sich, warum das nicht funktioniert. Der Umstand, dass einige von ihnen
Touchscreens haben, schafft nur noch mehr Verwirrung. Wenn sie merken, dass ihr
Bildschirm hinter Glas ist, geben sie den Atheisten die Schuld daran.
Einige Theisten haben
festgestellt, dass der Computer nicht richtig funktioniert, wenn Krümel in die
Tastatur geraten. Sie schlussfolgern, dass der Mann im Computer sich ärgert,
wenn man über der Tastatur isst. Wenn Krümel in die Tastatur geraten, muss man
sie gründlich säubern und einen Bonbon auf den Monitor legen.
Wie Sie sicherlich ahnen,
denken Mac-Anwender, dass Windows-Anwender satanisch sind, und umgekehrt. OS/2-
und NEXT-Anwender gehen Sonntags von Tür zu Tür und versuchen andere zu
überzeugen, dass ihr Betriebssystem überlegen ist und weit verbreitet sein
würde, wenn Bill Gates nicht wäre.
Die meisten Theisten lehnen
die Vorstellung ab, dass alles nur aus Einsen und Nullen besteht. Einige
glauben jedoch, dass der Mann im Computer Einsen und Nullen benutzt.
Atheisten
benutzen Kommandozeilen-Systeme wie DOS oder UNIX. Die sind schnell und
leistungsstark und besitzen alle Funktionen, die man braucht, aber sie können
sehr unmenschlich sein.
Atheisten wissen, dass der
Computer sich nicht über Krümel in der Tastatur ärgern kann, darum essen sie
Kekse, während sie programmieren. Sie verachten die Theisten, weil die nicht
verstehen, wie sich die Dinge wirklich verhalten. Sie stempeln sie zu Idioten
wegen ihres Glaubens, dass Schaltflächen und Symbole real seien.
Einige Atheisten benutzen
zuweilen eine grafische Benutzeroberfläche, aber echte Atheisten bestehen
darauf, alles mit der Tastatur zu machen. Dadurch sind sie praktisch unfähig,
bestechende Kunstwerke zu schaffen. Sie glauben, dass eine theistische
Verschwörung irgendwie ihre Tastaturen ruiniert, damit sie Mäuse benutzen
müssen. Sie haben jedoch keine Erklärung dafür, warum die Theisten zu diesem
Zweck ausgerechnet Kekskrümel benutzen. Sie kritisieren die Theisten dafür,
dass sie eine Benutzeroberfläche verwenden und begreifen nie, dass sie selbst
auch eine Benutzeroberfläche verwenden.
Mystiker
versuchen alles mit reinem Strom zu machen. Sie wissen, dass es keine Einsen
und Nullen gibt, sondern nur Strom. Sie klemmen Maus, Tastatur und Monitor ab,
weil diese Dinge in ihren Augen zu "weltlich" sind. Einige verwenden
stattdessen Lichter- und Schalterreihen. Andere verabscheuen auch das und
lecken an den Platinen, um Spannung festzustellen und Stromkreise zu schließen.
Die meisten beschließen ihr Leben damit, dass sie irgendwann einmal ein
falsches Teil anfassen oder anlecken und dadurch ihr Hirn grillen. Ein paar von
ihnen erlangen fantastische Einsichten darüber, wie sich die Dinge wirklich
verhalten, aber sie kriegen niemals etwas Bedeutendes zustande, denn sie sind
so sehr in Einzelheiten vertieft, dass sie die Gesamtheit nicht sehen.
Aufklärung
kommt aus der Erkenntnis, dass verschiedene Benutzeroberflächen jeweils eigene
Stärken und Schwächen haben. Der aufgeklärte Mensch erkennt, dass auch
Vertrautheit eine Stärke für sich sein kann. Er weiß, dass die
Benutzeroberfläche eine Illusion ist, aber er weiß auch, dass diese Illusion
einen Wert hat. Der aufgeklärte Mensch benutzt vielleicht einen Mac, um einen
Film zu bearbeiten, und Windows, um ein Spiel zu spielen. Er akzeptiert und
schätzt vielleicht sogar diese Unterschiede. Wenn jemand ihm weismachen will,
dass man Windows 3.1 benutzen sollte (das einzig wahre Betriebssystem), wird er
diese Person unumwunden zum Idioten erklären. Wenn dieselbe Person aber
lediglich erklärt, dass sie mit Windows 3.1 zufrieden ist und keinen Grund
sieht, umzusteigen, wird der aufgeklärte Mensch dem ohne weiteres zustimmen und
dieser Person sein altes MS Word 1.0 überlassen.