Wind um Nichts - http://wind.penzeng.de
Die
Sorge um das eigene (Seelen-)Heil ist für viele ein wichtiger Grund, Christ zu
werden oder Christ zu bleiben. Nur leider wird man diese Sorge als Christ nie
richtig los, denn das Neue Testament macht sehr verschiedene und
widersprüchliche Aussagen darüber, was man tun muss, um seelig zu werden und
dem Höllenfeuer zu entgehen:
Evangelische
Christen betonen stets, dass man (gemäß Epheser 2:8) nur aus Gnade durch
Glauben seelig werden kann. Andererseits soll man aber laut 1. Korinther 9:24
f. wie ein Olympia-Wettkämpfer für Christus Höchstleistungen erbringen. Weniger
bekannt ist, dass Jesus in Matthäus 25:35 ff. als zwingende Bedingungen nennt,
dass man Hungrigen zu essen und Durstigen zu trinken geben muss; dass man
Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke und Gefangene besuchen muss, um seelig
zu werden, denn "was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten
Brüdern, das habt ihr mir getan." Nach Jesu Gleichnis in Lukas 16:19 ff.
ist es jedoch entscheidend, dass man im irdischen Leben bettelarm ist und
leidet, um dann im Jenseits Trost und Komfort genießen zu dürfen. Demgemäß
hätte ein obdachloser Landstreicher die größten Chancen aufs Himmelreich, allerdings
darf er nicht die rauen Sitten und den Alkoholkonsum pflegen, der in diesen
Kreisen üblich ist, denn das zählt laut Galater 5:19-21 zu den "Werken des
Fleisches", und "die solches tun, werden das Reich Gottes nicht
erben". Und schließlich, nach Römer 9:11-18 hat Gott unser Schicksal
sowieso schon vom Mutterleib an willkürlich vorherbestimmt, folglich hat es gar
keinen Zweck, da noch was "drehen" zu wollen.
Nimmt
man die Bibel also wirklich ernst, so sieht man sich immer mit einem Bein in
der Hölle stehen. Man vertraut zwar auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit, aber
ganz sicher kann man sich nie sein; es bleibt immer irgendwo ein wunder Punkt:
Verlässt man sich ganz auf Gottes Gnade und nimmt den Glauben entsprechend
leicht und locker, so muss man sich sorgen oder bekommt Sorgen eingeredet,
wegen Halbherzigkeit und "Lauheit" verworfen zu werden. Nimmt man
seinen Glauben aber sehr ernst und streng, so läuft man Gefahr, als
"Pharisäer" zu enden und als solcher von Gott verworfen zu werden.
Besitzt man irgendetwas Materielles, so muss man sich schuldig fühlen, weil man
dem Mammon dient und nicht alles mit den Armen teilt. Besitzt man aber nichts,
so darf man nicht neidisch sein und auch nicht klauen oder betrügen, und das
durchzuhalten ist auch nicht leicht. Es ist reine Glückssache, da den richtigen
Weg zu finden. So heißt es ja auch in der Heiligen Schrift (Matthäus 7:14):
"Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und
wenige sind's, die ihn finden!" Angesichts dessen macht man sich als
Christ natürlich Gedanken, ob man selbst wohl zu den Wenigen gehört, die den
Weg zum Leben finden, oder ob man schon abgeirrt ist.
Geistliche
Leiter benutzen diese Angst vor der Hölle gern, um von den Gläubigen höhere
Spenden und mehr ehrenamtliches Engagement zu erpressen. Eventuell glauben sie
auch selbst daran und setzen sich selbst damit unter Druck.
Ich
habe jedoch unverhofft einen Ort des Friedens gefunden, wo die Angst vor der
Hölle keine Rolle mehr spielt:
Seit ich Gott kenne, hat er in
meinem Leben nie irgend etwas Konkretes und Bemerkenswertes getan. Er hat immer
nur große Töne gespuckt, von wegen wie toll und mächtig er ist. Offensichtlich
kann er nur reden, reden, reden, locken und drohen, aber ohne uns kann er
nichts tun. Darum traue ich ihm gar nicht mehr zu, dass er so etwas Großartiges
wie die Auferstehung der Toten und das Jüngste Gericht überhaupt zu Stande
bringen könnte. Erfahrungsgemäß tut er ja nichts. Von ihm kommt keine Hilfe,
und von ihm geht auch keine Gefahr aus. Es besteht überhaupt kein Grund, ihn
ernst zu nehmen.
Wenn ich gestorben bin, wird
vermutlich einfach gar nichts mit mir passieren: Mein Bewusstsein wird aufhören
zu existieren, und mein Körper wird sich zu Erde verwandeln. Sollte es aber
doch eine Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben geben - nun, dann ist es
sowieso reine Glückssache, was mit mir passiert. Egal welcher Glaubensrichtung
ich mich anschließe - es gibt immer etliche, die mich warnen, dass ich auf dem
falschen Wege sei und in der Hölle enden werde. Manche meinen, die katholische
Kirche sei die allein seelig machende; andere meinen, dass gerade dort der
Satan persönlich zu Hause sei. Ich halte mich aus diesen nutzlosen
Spekulationen lieber heraus, ignoriere alle Höllendrohungen und tue das, was
ich selbst für richtig halte.